Wofür steht unsere Generation?

Wofür steht unsere Generation?

Wofür steht unsere Generation?

Wer kennt sie nicht? Die leidige wie auch reizvolle Frage nach Herkunft und Identität. Neben Kategorien wie Familie, Freunde, Beruf oder Geburtsort stelle ich mir oft die Frage, welche Gemeinsamkeiten ich mit den Mitmenschen habe, die sich in ähnlichen Lebensumständen befinden und zu einem ähnlichen Zeitpunkt geboren wurden. Mindestens zwei Elemente kommen mir in den Sinn, die meiner Meinung nach zentral für jeden Generationenbegriff sein sollten und oft falsch dargestellt (Politisierung) sowie übersehen (Europäisierung) werden.

Generationen werden gemacht: Kulturelle Deutungsmuster wie Wertebilder hinsichtlich eines guten Lebens oder der Gleichstellung von Mann und Frau entstehen nicht in einem Vakuum, sondern bilden sich historisch durch das kulturelle, politische und ökonomische Umfeld sowie durch spezifisch Historisches heraus. Armut oder Überfluss,Klima,Vegetation,der Grad an Bildung und die Frage nach Mobilität prägen ganze Bevölkerungsschichten.

Die oft zeitliche Einteilung in Generationen ist also eine Folge der Relevanz von Rahmenbedingungen und kein Selbstzweck. So kann jede*r von uns zum Einen der selben Generation angehören und zu unterschiedlichen Zeiten geboren sein, zum Anderen könnte ich einem soziologischen Verständnis nach mehreren „Generationen“ parallel angehören. Historisch wurde der Begriff jedoch auf die gesamte Gesellschaften angewendet, wie im Falle der Nachkriegsgeneration oder der 68er Bewegung.

Auch wenn wir subjektiven sowie konkret realisierten Lebensentwürfen nach „individueller“ geworden zu sein scheinen, macht es immer noch Sinn über verbindende Elemente nachzudenken, wenn eine Generation als „Oberbegriff“ für gleichzeitig erlebte historisch soziale Ereignisse verstanden wird.

Bei schon bestehenden Generationenbegriffen stoße ich auf die „Millenials“: Demnach ist Jede*r nach 1980 Geborene in der Regel gut ausgebildet und lebt aufgrund der rapiden technischen Entwicklung technologieaffin. Grundsätzlich scheinen sie tiefen Hierarchien eher abgeneigt zu sein und haben wenig Vertrauen in „die Regierung“, weshalb sie sich durch passiven Widerstand ins politische Geschehen einbringen (z.B Occupy Wall Street). Gerade letztere Erkenntnis stößt mir auf. Es stimmt, dass bei den unter 25- sowie unter 30-jährigen bei den letzten Bundestagswahlen eine geringere Wahlbeteiligung zu verzeichnen war. Dieses Muster ist jedoch bei jeder Wahl seit dem zweiten Weltkrieg festzustellen. Nimmt man die Wahlbeteiligung als Indikator für die „Politisierung“ einer Gesellschaft, so sind wir „nur“ insgesamt unpolitischer geworden. Dies ist jedoch keine Generationenfrage! Von einem klaren Trend der Entpolitisierung der jungen Bevölkerung kann also nicht gesprochen werden. Junge Menschen wählen proeuropäischer als ältere Bevölkerungsschichten.

Wie wäre es also mit der Generation „Erasmus“? Hiermit spiele ich nicht nur auf die jährlich über 200.000 Studierenden an, die ein Praktikum oder Studiensemester im europäischen Ausland absolvieren, sondern auf die insgesamt ansteigende Auslandsmobilität, welche mit einer proeuropäischeren Haltung in jüngeren Bevölkerungsmilieus einhergeht. Auch die Mobilität unter Auszubildenden und Berufsfachschüler*innen aus Deutschland ist deutlich höher als bisher angenommen. Eine Europäisierung ist also bei “meiner” Generation charakteristisch. In diesem Kontext ist gerade die steigende und zu einer erhöhten Europaskepsis führende Jugendarbeitslosigkeit mehr als nur schmerzhaft. Selbst ungeachtet der politischen Bedeutung dieser proeuropäischen Dimension unserer Generation, ist es falsch in uns eine politikskeptische Haltung zu verorten, welche sich in uns jungen Menschen als generationales Element ausgeprägt hat.

Wie der Generationenbegriff muss auch soll Text vor allem  eine Skizze bleiben und ist somit im besten Fall unvollständig. Und doch geben Skizzen Impulse, formen jeden weiteren Schritt, auch oder gerade wegen der unschönen Bleistiftlinien. Falsches kann also nicht nur ertragbarer, sondern auch notwendiger Bestandteil einer skizzenhaften Betrachtung unserer Generation sein, um sich dem Gemeinsamen anzunähern

 

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